ReisetagebuchKolumbien

Spanisch lernen in San Carlos

Kolumbien ist nicht nur bekannt für die schöne Landschaft, sondern auch für die besonders schöne Aussprache der Einheimischen.

Miriam

Geschrieben von Miriam

22. Feb 2020 • 8 Min. Lesezeit

Spanisch lernen in San Carlos

Spanish Adventures verbindet diese beiden Vorzüge und bietet eine Mischung aus Sprachschule und Abenteuer.

Eine Sprachschule finden

Wir haben immer wieder Reisende gefragt ob und wo sie eine Sprachschule gemacht haben, denn tatsächlich machen das sehr viele Backpacker in Kolumbien. Die meisten haben uns von Schulen in Medellín erzählt und waren mehr oder weniger begeistert davon. Natürlich findet man auch im Internet Seiten, auf denen Reisende ihre Erfahrungen mit Schulen teilen und diese bewerten. Ich hatte mir eine Schule gewünscht, in der man auch wohnen und Abends gemeinsam kochen kann. Leider ist so etwas schwer zu finden. Eine Reisende in Panama City erzählte uns dann aber von einer Sprachschule in der Nähe Medellíns, von der wir zuvor noch nichts gehört hatten.

Spanish Adventures

Etwa hundert Kilometer von Medellín entfernt befindet sich ein kleiner Ort namens San Carlos. In den späten 90ern war San Carlos eine Geisterstadt, weil Kämpfe zwischen linken Guerillas und Paramilitärs die meisten Einheimischen vertrieben. Auch heute ist die erhöhte Präsenz von Polizei und Militär zu spüren. Ein paar junge Menschen, die in einer Sprachschule in Medellín arbeiteten, haben beschlossen in ihre Heimatstadt San Carlos zurückzukehren und Touristen nicht nur Spanisch beizubringen, sondern ihnen auch den Ort näher zu bringen. San Carlos scheint eine aufstrebende Stadt zu sein, denn neben den vielen netten Bars und Restaurants ist das Städtchen auch von einer wunderschönen Natur mit Flüssen, Wasserfällen und Bergen umgeben.

Img Img San Carlos von oben

Unterkunft und Essen

Schlafen kann man entweder in einem der Gemeinschaftszimmer direkt in der Schule, in einem Privatzimmer im Restaurant der Schule oder in einem Privatzimmer im Apartment des Lehrpersonals. Wir haben Letzteres gewählt und waren sehr zufrieden damit. Zur Schule geht man nur ein paar Meter und hat ein wenig Privatsphäre. Für eine Woche am selben Ort war uns das wichtig. Das besagte Restaurant ist eigentlich das Elternhaus des Gründers von Spanish Adventures. Dort wird man von Montag bis Freitag zu Mittag von seiner Mutter bekocht – kolumbianische Hausmannskost mit vegetarischer Option.

Unterricht

Man kann zwischen zwei oder drei Stunden Unterricht pro Tag wählen. Ich denke, dass drei Stunden empfehlenswert sind. Von 8 bis 10 Uhr hat man nämlich regulären Unterricht, in dem man hauptsächlich die Grammatik verstehen lernt und seinen Wortschatz erweitern kann. Die LehrerInnen sprechen alle gut Englisch. Von 10:30 bis 11:30 Uhr geht man mit einem/einer Einheimischen auf einen Kaffee und versucht die neu erworbenen Kenntnisse im Gespräch anzuwenden. Da Englisch hier keine Option ist, ist man gezwungen spanische Sätze zu formulieren. (Die Reihenfolge von Theorie und Praxis kann variieren.) Natürlich bekommt man auch Hausaufgaben. Das kann zeitlich ziemlich herausfordernd sein, denn es werden jeden Tag Aktivitäten angeboten.

Abenteuer

Nach dem Mittagessen bekommt man ein wenig Zeit, um sich auszuruhen oder seine Hausaufgaben zu erledigen. Wir gingen am Montag zu einem Wasserfall in der Nähe der Schule baden und danach Empanadas essen, ...

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...am Dienstag sammelten wir gemeinsam Müll an einem Fluss auf und gönnten uns danach eine Abkühlung in einem anderen Flussbecken, ...

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...am Mittwoch gab es am Abend Tanzunterricht für lateinamerikanische Tänze (davon gibt es Gott sei Dank keine Fotos 😅), am Donnerstag nahmen wir ein Tuk Tuk zu einem Wanderweg und sprangen dort von einem Felsen ins kühle Nass, ...

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...am Freitag sollten wir am Abend unsere wichtigste Hausaufgabe präsentieren, ein spanisches Lied als Karaokeversion. Armin und ich präsentierten zusätzlich noch ein deutsches Lied – „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Samstag ist schulfrei und wird für ein größeres Abenteuer genutzt. Eigentlich wäre Rafting in einem weiter entfernten Ort geplant gewesen, allerdings haben die Lehrer aufgrund eines landesweiten gewaltsamen Streiks beschlossen, keine größere Reise anzutreten. Dazu gleich mehr. Wir fuhren stattdessen mit Tuk Tuks zu einem Wanderweg in der Nähe, von dem aus man Canyoning machen kann. Wir wurden mit Helmen und Schwimmwesten ausgestattet und bekamen ein leckeres Mittagessen mit auf den Weg. Dort rutschten und sprangen wir von Felsen ins Wasser, seilten uns von Bäumen ab und kletterten Wasserfälle hoch. Da ich ein wenig Höhenangst habe, musste ich mich dabei oftmals überwinden, weiterzugehen. Zwei, drei Stellen waren auch relativ gefährlich, weswegen man wirklich vorsichtig sein musste. Vor allem, weil die nassen Steine sehr rutschig waren. Es war ein Abenteuer, das viel Spaß gemacht hat. Sich zu überwinden tut hin und wieder auch gut. Da man von Kopf bis Fuß nass wurde, hatten wir keine Kamera mit.

Den Sonntag nutzten wir, um mit einigen MitschülerInnen El Tabor alias The Fucking Rock zu besteigen. Wir fuhren wieder mit Tuk Tuks bis zum Ende der Straße und machten uns auf den Weg zum höchsten Berg in dieser Umgebung. Ein recht anstrengender Weg, der sich aber definitiv lohnt. Man hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf San Carlos und auf einen völlig unberührten Urwald. Beim Zurückgehen gingen wir noch baden und gönnten uns einen Fisch in einem neu eröffneten Restaurant am Stadtrand.

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Img v. l. n. r.: Kristine, Mads, Miriam, James, Annalise, Armin & Ben

Die Menschen, die das Abenteuer noch besonderer machen

So lange waren wir bisher nur in Tulum an einem Ort. Das (relativ) schnelle Weiterziehen macht es einem schwerer, sich mit anderen Reisenden anzufreunden. So tat es gut, dass man mit anderen einen gemeinsamen, geregelten Tagesablauf hat. Ganz ehrlich: ich war nicht mehr daran gewöhnt jeden Tag zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und mich an einen Zeitplan zu halten. Man mag es kaum glauben, aber auch das ist nach einer gewissen Zeit wieder einmal etwas Angenehmes. Wir hatten großes Glück mit unseren MitschülerInnen. Vor allem mit Annalise & James (Australien), Ben (England), Nikolas (Hongkong), Martina (Tschechien), Aubrey und Heather (USA) haben wir öfter Zeit verbracht. Ein Mix an unterschiedlichen Ländern und Kulturen, der wieder einmal gezeigt hat, dass es nicht darauf ankommt, wo man geboren wurde.

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Auch unsere Lehrer Camillo, Daniel und Juan David waren sehr geduldige, kompetente, liebenswerte Menschen. Laura brachte uns heil durch so manches Abenteuer.

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An einem Nachmittag haben wir gemeinsam mit James und Annalise einen Backkurs bei einer einheimischen Bäckerei belegt. Jennifer und ihr Mann Sergio kommen ursprünglich aus Venezuela. Wir haben von ihnen gelernt Zimtrollen zu machen und gleichzeitig eine Einführung in das spanische Backvokabular bekommen. Die beiden waren wahnsinnig herzlich und die Zimtrollen köstlich.

Erwähnenswert sind aber nicht nur die menschlichen Wegbegleiter, sondern auch die vielen Hunde in San Carlos. Immer wenn man das Haus verlässt, hat man mindestens einen Hund, der einem Gesellschaft leistet. Vor allem die Hunde des Hauses – Dobbie, Tara und Mona – versüßen einem jeden einzelnen Tag. ♥️ Nicht zu vergessen die Hauskatze Erza, die sich nach Anlaufschwierigkeiten auch auf eine Bindung mit mir eingelassen hat... Katzen eben. 😅

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Tara, Mona & Dobbie

Essen und Trinken in San Carlos

Bevor ich näher darauf eingehe, was es mit dem Streik auf sich hat, möchte ich für jene, die vorhaben San Carlos zu besuchen, noch den ein oder anderen Tipp geben, wo man hier am besten essen gehen kann. Nachdem der Ort touristisch noch nicht sehr aufgeschlossen ist – zu Unrecht allerdings, denn die Natur, die den Ort umgibt ist wunderschön – kann man auf TripAdvisor und Google Maps kaum Bewertungen für Lokale finden. Für Süßes sucht man am besten den Waffel- und Crêpesladen auf, der sich in der selben Straße wie die Schule, Richtung Hauptplatz befindet oder man besucht Jennifer und Sergio eine Querstraße weiter im Antojitos. In Letzterem bekommt man aber auch sehr gute Sandwiches mit selbstgemachtem Brot. Das ist vor allem für Vegetarier ein guter Tipp, denn fleischlose Ernährung ist in San Carlos noch nicht ganz angekommen. Auf Wunsch bekommt man auch bei Sandrita etwas vegetarisches. Wo man ihre köstlichen Empanadas und Paletas con queso herbekommt, das fragt man am besten die Einheimischen. Sie verkauft ihre Köstlichkeiten an einem kleinen Stand am Straßenrand. Ebenfalls erwähnenswert sind die Sandwiches und Borritos in einem kubanischen Restaurant ein Stück nach dem Antojitos Richtung Kirche.

Landesweiter Streik

Eigentlich wollten wir am Sonntag von San Carlos abreisen. Die ELN-Guerillagruppierung kündigte aber gemeinsam mit der Farc-Ep einen landesweiten, bewaffneten Streik an. Die Bevölkerung und Reisende wurden davor gewarnt am Wochenende von 14. bis 17. Februar öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden. Außerdem sollten alle Geschäfte geschlossen bleiben. In San Carlos haben wir davon eher weniger gespürt, außer dass die Polizei noch präsenter war als sonst. Um kein Risiko einzugehen haben alle SchülerInnen eine Nacht verlängert und sind erst am Montag abgereist.

Richtung Süden

Nachdem wir San Carlos verließen, machten wir uns auf den Weg nach Jardín, wo Armin eine Erinnerung fürs Leben mitnahm und anschließend nach Salento. In Letzterem bleiben wir noch eine Nacht, bevor wir weiter Richtung Ecuador reisen. Ein Beitrag zu diesen netten, kleinen Städtchen folgt in Kürze.