ReisetagebuchKolumbien

Cartagena und Santa Marta

Kolumbien hat für uns mit zwei Städten, die mit Hitze, Flair und Stimmung überzeugen, den perfekten Start hingelegt.

Armin & Miriam

Geschrieben von Armin & Miriam

01. Feb 2020 • 9 Min. Lesezeit

Cartagena und Santa Marta

Nach einer wunderschönen Segeltour kamen wir in Cartagena an. Ein neues Land erwartete uns, von dem wir in Österreich oftmals gewarnt wurden.

Der Ruf Kolumbiens

Der Ruf Kolumbiens ist aus Gründen, die bestimmt nicht von irgendwo kommen, ein wenig angeschlagen. Wir hatten daher großen Respekt vor diesem Land bzw. haben wir ihn auch jetzt noch. Man hört von Narcos, gewalttätigen Raubüberfällen, Entführungen und Taxifahrern, denen man nicht vertrauen sollte. Unser erster Aufenthalt war in Cartagena, der Stadt Kolumbiens, in der die Kolumbianer selbst Urlaub machen. Hier ist es wirklich sicher und man braucht keine Angst zu haben ein Taxi zu nehmen oder in der Nacht alleine nach Hause zu gehen. Wie in jeder Großstadt (1,1 Mio. Einwohner) gibt es natürlich auch hier Gegenden, die man als Tourist im Dunkeln eher meiden sollte. Aber wir würden auch in Wien in bestimmten Bezirken nicht mitten in der Nacht spazieren gehen, wenn es nicht sein muss. Nachdem also sowohl Cartagena als auch Santa Marta sehr sichere Städte waren, möchten wir die besagten Warnungen nicht verschmähen, wohl möchten wir aber darauf aufmerksam machen, dass Kolumbien mehr ist als nur Narcos, Kriminalität und Entführungen. Dieses Land beherbergt einige der schönsten Plätze der Erde und Menschen, die es zum Teil sicherlich schwer haben, die aber trotzdem herzlich sind und das Leben feiern, wo sie nur können.

To travel is to discover that everyone is wrong about other countries.

Aldous Huxley

Simkarte für Kolumbien/Südamerika

Weil wir ca. 5 Wochen in Kolumbien verbringen werden, haben wir uns entschieden, uns wie schon in Mexiko und Costa Rica wieder eine Sim-Karte zu kaufen, damit wir nicht allein auf WLANs von Hostels und Restaurants angewiesen sind. Im Vergleich zu Panama, wo wir kein mobiles Internet hatten, ist die Qualität der WLANs in Kolumbien deutlich schlechter. Um im nächsten Land dann nicht schon wieder eine neue Karte kaufen zu müssen, haben wir diesmal Claro genommen, ein Anbieter, den es in den meisten Ländern Lateinamerikas gibt.

Wie kauft man eine Sim-Karte in Lateinamerika?

Eine Prepaid-Sim-Karte bekommt man in größeren Städten als Tourist relativ einfach. Am besten fragt man beim Hostel, wo der nächste Shop ist, der welche verkauft. Die bekanntesten Anbieter sind Movistar und eben Claro. Dort fragt man nach einer „Tarjeta Sim“, die kostet üblicherweise ca. 2 Euro. Als nächstes muss diese Karte mit Guthaben aufgeladen werden. Das funktioniert ganz ähnlich wie mit den Wertkarten, die in Österreich vor einigen Jahren jeder benutzt hat. Es gibt verschiedene Pakete, die einen Zeitraum und ein bestimmtes Datenvolumen abdecken. Man entscheidet sich also beispielsweise ein Paket für 30 Tage mit 2 GB Datenvolumen um ca. 10 € zu nehmen. Danach übergibt man sein Smartphone dem Ladenbesitzer: alte Sim-Karte raus, neue rein, ein bisschen schwarze Magie und man hat eine neue Telefonnummer und Internet. Sobald man eine Sim-Karte hat kann man diese an jeder Straßenecke aufladen lassen, das Zauberwort ist „Recarga“.

Cartagena

Schon beim Einfahren mit dem Schiff in den Hafen Cartagenas kann man erahnen, dass diese Stadt für Touristen sehr attraktiv ist. Miriam war überrascht, dass sie eine Skyline einmal als schön empfindet, aber diese war es definitiv. Genau wie in Cancun, gibt es auch hier eine Hotelzone. Was die Skyline so schön erscheinen lässt ist, dass es den Anschein macht als würden die Hotels aus dem Wasser gen Himmel ragen.

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Angekommen am Hafen Cartagenas gönnten wir uns zuerst einmal ein eiskaltes Cola gefolgt von einem eiskalten Bier, denn das Erste, das einem hier auffällt, ist die unglaubliche Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit.

Hostel Makako

In diesem Hostel verbrachten wir drei Nächte. Zugegeben, es ist etwas heruntergekommen, aber recht günstig und in einer fantastischen Lage. Man schläft direkt in der Altstadt, etwa 3 Gehminuten vom Hauptplatz, der Getsemani von der Altstadt trennt, entfernt. Das Beste an dieser Unterkunft sind aber die Gastgeber. Jeden Abend setzten sich alle an einen kleinen Couchtisch und spielen Kartenspiele, bei denen es darum geht zu trinken – Trinkspiele also. 😅 Jeder wird mit einbezogen und animiert mitzumachen. Um 11 gehen dann alle, die Lust haben, in eines der umliegenden Lokale. Und an einigen Abenden wird in einem sogenannten Partybus reserviert. Unser Gastgeber des Vertrauens hat uns diesen wie folgt beschrieben: „We're going on a bus full of Colombians and drink till death.“ Laute Musik, wackelnde Hintern, Cola-Rum und Snack inklusive. Nachdem man eine Runde darin gedreht hat besucht man zwei Clubs, deren Eintritt ebenfalls inkludiert ist. Ein nicht ganz billiges Erlebnis, dass wir aber keinesfalls bereuen. Man fährt ja nicht alle Tage in einem Partybus durch die Gegend.

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Free Walking Tour

Nach Valladolid, Mérida und Panama City haben wir auch in Cartagena eine Free Walking Tour gemacht, in diesem Fall mit Beyond Colombia. Anfangs gefiel uns die Art wie der Guide die Geschichte Cartagenas erzählte. Es war als würde er sie uns neu inszeniert vorführen. Doch nach einiger Zeit wirkte alles sehr optimiert und gescriptet. Der Schluss der Tour war aber sehr erfrischend, da ein traditioneller Tanz vorgezeigt wurde.

Die Geschichte Cartagenas

Diese Stadt hat einiges hinter sich. Wir haben selten von einer so blutigen Geschichte gehört. Gegründet wurde die Stadt von einem spanischen Konquistador. Cartagena war aufgrund des Reichtums und der Lage in der Karibik ein sehr beliebtes Ziel für Freibeuter. Engländer, Franzosen und andere Gauner wollten daher die Stadt einnehmen. Zum Schutz wurden Stadtmauern und Forts von afrikanischen Sklaven errichtet. Viele tausende Menschen sind in dieser Zeit umgekommen, die meisten allerdings durch Krankheiten (Gelbfieber, Malaria) und Unterernährung.

Sonnenuntergang

Die Sonne geht hier direkt über dem Meer unter und bietet damit ein wunderschönes Schauspiel. Um halb sechs beginnt es rund um das „Café del Mar“ zu wuseln. Hunderte von Menschen begeben sich auf die Mauern der Stadt, um die Farbenpracht zu sehen, die die Sonne hier bietet. Geschäftstüchtig wie die Kolumbianer sind, tummeln sich hier aber nicht nur Schaulustige, sondern auch viele Verkäufer, die mit ihren Kühlboxen voll Bier und Wasser locken. „Agua, Cerveza, Agua, Cerveza!“ hört man in regelmäßigen Abständen hinter sich. Wir besuchten diesen Ort auch einmal im Zuge einer Gassirunde mit Chaplin dem Hund von Charlie, eines der Hostelbewohners.

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Charlie & Chaplin

Stadtteile

Cartagena ist eingeteilt in die Altstadt, in der sich viele Kathedralen und schöne Plätze befinden, Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker und Bocagrande, der Hotelzone. Die ersten beiden Teile der Stadt wurden zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und sind für Backpacker mit zahlreichen günstigen Hostels, Restaurants und Lokalen sicherlich die attraktivsten Orte.

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Die Altstadt Cartagenas

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Getsemaní

Von Cartagena nach Santa Marta

Ein Stück außerhalb der Stadtmauern befindet sich die Busstation des Unternehmens Berlinastur. Wir sind hingegangen, würden das aber nicht nochmal machen. Ein Taxi ist bestimmt nicht teuer und man spart sich damit das herumschleppen des schweren Gepäcks. Der Weg dorthin ist ohnehin nicht sehenswert. Die Fahrt ist nicht teuer, aber man sollte bedenken, dass es in der Nähe keinen Bankomat gibt und man kann nicht mit Karte bezahlen. Auf dem Weg nach Santa Marta kommt man auch an Baranquilla vorbei, dem Geburtsort der Sängerin Shakira. Allerdings lohnt es sich nicht hier auszusteigen.

Santa Marta

Nach etwa fünf Stunden Busfahrt kommt man in Santa Marta an, einer Stadt nahe des Tayrona Nationalparks. Wir würden empfehlen diesen von hier aus zu besuchen, wenn man nur einen Tagesausflug machen möchte. Mitten in Santa Marta gibt es einen schönen Park, den „Plaza de los Novios“ und viele gute Restaurants.

Playa Blanca

Wir haben uns für einen Tagesausflug zum Playa Blanca entschieden. So richtig durchdacht war das aber leider nicht, denn es war ein Sonntag und eigentlich müssten wir mittlerweile schon wissen, dass an diesem Wochentag die Einheimischen mit der gesamten Familie zu den umliegenden Stränden pilgern. Dementsprechend voll war der Strand dann auch. Nun, ja. Man gesellt sich dann eben auch zu den Sardinen in den Sand und lässt sich von der Sonne braten. Außer den Zelten mit Sesseln, die einem gegen ein kleines Entgelt angeboten werden, gibt es hier nämlich keine Möglichkeit einen Schatten zu finden. Der Weg dahin ist aber recht einfach und ein Ausflug lohnt sich. Man nimmt einfach einen der blauen Busse am Strand nach El Rodadero, geht dort am Strand ganz nach rechts zu den Booten und kauft ein Ticket bei einem der Stände. Ein Speedboat bringt einen dann zum Strand der Wahl. Am Playa Blanca kann man nicht nur baden, sondern auch mit einer Zipline über den Strand huschen, mit einem Bananaboat über die Wellen hüpfen oder den Hügel hinter dem Strand besteigen und die Aussicht genießen.

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Auf dem Hügel war es ziemlich windig

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Tauchen

In unserem Hostel, dem Pelican Larry, entdeckte Armin an unserem vorletzten Tag die Broschüre eines Dive Centers. Der sogenannte „Fundive“, der zwei Tauchgänge, Ausrüstung, Verpflegung und Guide beinhaltete, wurde um 47 Euro pro Person angeboten. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Wir verlängerten also kurzerhand um eine Nacht und buchten einen „Fundive“. Mit einem Speedboat fährt man zu einem der Riffs des Tayrona Nationalparks und begibt sich unter das Meer. Dort eröffnet sich einem ein wunderschöner Anblick. Eine unglaubliche Vielfalt an Unterwassertieren geht hier ihrem täglichen Leben nach und nimmt dabei kaum Notiz von den Tauchern, die sie beobachten – eine Muräne verscheucht Fische, die ihrem Revier zu nahe kommen, zwei Kugelfische behaupten sich gegeneinander, tausende Fische in allen möglichen Größen und Farben suchen nach etwas zum fressen. Miriam wurde dabei etwas sentimental und meinte, es sei das Schönste gewesen, dass sie je gesehen hätte.

Img Unser Dive-Master Sebastian

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Weiter Richtung Süden

Weil uns die Karibik so gut gefällt, ist es noch zu früh ihr den Rücken zuzukehren. Nach Santa Marta sind wir mit Bus und Motorad-Taxi zur Finca Carpe Diem gefahren, ein Hostel umgeben von Wald und Hügeln mit 3 Swimming-Pools. Jetzt sitzen wir gerade im Bohemia Beach, ein sehr schönes und gemütliches „Eco Beach Hostel“ und lassen unsere Zeit in der Karibik ausklingen. Morgen geht's dann mit einem Nachtbus nach Medellín, eine ca. 20-stündige Fahrt auf die wir uns nicht gerade freuen. Über Medellín haben wir von anderen Backpackern jedoch schon viel gutes gehört, es soll neben Bogotá und Cali die interessanteste der drei goßen kolumbianischen Städte sein.